Kopenhagen, wir müssen reden
Nicht weil irgendetwas nicht stimmt. Sondern weil diese Stadt seit Jahren alles richtig macht und trotzdem zu selten die Anerkennung bekommt, die sie verdient. Kopenhagen ist eine Stadt, die weiß, wer sie ist. Das Essen, die Architektur, die Art wie die Leute hier leben, alles fühlt sich an als wäre es genau so gedacht.
Hier kommen die Sehenswürdigkeiten, die ihren Ruf wirklich verdienen, und Geheimtipps, die echte Locals empfehlen. Ein ehrlicher Mix aus guten, alten Klassikern und Insider-Tipps, die den Unterschied machen zwischen einem guten Trip und einem, über den du noch lange reden wirst.
Tipp 1 – Check in bei Daniel & Jacob's
Unsere Go-to-Unterkunft in Kopenhagen
Vergiss das klassische Hotelzimmer. Wer Kopenhagen wirklich erleben will, schläft dort, wo die Stadt lebt. Daniel & Jacob sind zwei Brüder, die verstanden haben, was Reisende heute wollen. Ihre Apartments in Nørrebro sind neu, minimalistisch und trotzdem warm. Design, das auch gemütlich ist.
Die No186 Apartments liegen in einem ruhigen Innenhof, direkt im Herzen eines der lebendigsten Viertel der Stadt. Vor der Tür die Jægersborggade mit ihren unabhängigen Shops und Cafés, gleich um die Ecke der Assistens Cemetery für einen entspannten Morgenspaziergang. Metro und S-Bahn sind neun Minuten zu Fuß entfernt, der Rest der Stadt damit in Reichweite.
Was immer dabei ist: kontaktloser Check-in, schnelles WLAN und kostenloser Zugang zu einem lokalen Fitnessstudio. Kein Schnickschnack, nur das, was wirklich zählt.

Daniel & Jacob's No186 Apartments
Tipp 2 – Iss ein Kanelsnegle von der Sankt Peders Bageri
Kopenhagens älteste Bäckerei, und noch immer die beste
Manche Dinge muss man einfach gemacht haben. Eine Kanelsnegl bei der Sankt Peders Bageri ist eine davon. Die Bageri im Lateinerviertel existiert seit 1652 und ist damit die älteste in ganz Kopenhagen. Wer hier reinkommt, versteht sofort, warum es immer noch funktioniert. Buttrig, flockig, perfekt gewürzt. Reines Handwerk, das für sich selbst spricht.
Mittwochs lohnt es sich besonders. Dann gibt es die legendären Onsdagssnegle, größer als normal und etwas günstiger. Die Schlange vor der Tür gehört dazu, und sie bewegt sich schnell. Komm früh, die Zimtschnecken sind schneller weg als du denkst.
Sankt Peders Bageri
Tipp 3 – Lass die Stadt durch Kunst auf dich wirken
Sechs Museen, die Kopenhagen wirklich ausmachen
Zeitgenössische Kunst, die wirklich Haltung hat. Copenhagen Contemporary liegt in einer ehemaligen Industriehalle in Refshaleøen, einem der aufstrebendsten Viertel der Stadt. Rohe Architektur, große Namen, Yoko Ono, Pierre Huyghe, Superflex und ein Café, in dem jeder Stuhl von einem anderen Künstler entworfen wurde.
Das National Museum of Photography, auch „Der Schwarze Diamant“ genannt, ist ein moderner Erweiterungsbau der Königlichen Bibliothek direkt am Wasser. Es liegt im Untergeschoss eines der faszinierendsten Archive der Stadt. Über 100.000 Fotografien von Cartier-Bresson, Andreas Gursky bis Man Ray machen den Besuch zu einem Must-See für Fans von Fotografie mit hohem künstlerischem Anspruch.
Die Cisternerne in Frederiksberg lassen sich kaum beschreiben. Unter dem Søndermarken Park liegt ein ehemaliger Wasserreservoir, spärlich beleuchtet, feucht, kühl. Jedes Jahr schafft ein internationaler Künstler eine Ausstellung ausschließlich für diesen Raum. Kaum jemand kennt ihn. Genau deshalb steht er auf dieser Liste.
Manchmal ist ein Klassiker ein Klassiker, weil er es verdient. Die Ny Carlsberg Glyptotek beherbergt Nordeuropas größte Sammlung antiker Kunst, 47 Gemälde von Gauguin, dazu Cézanne, Van Gogh und Rodin. Das Herzstück ist der Wintergarten unter einer Glaskuppel mit Palmen. Komm für die Kunst, bleib für den Wintergarten.

„Die Wassermutter“ – Kai Nielsen (1919–1920) im tropischen Wintergarten der Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen.
Das Designmuseum Danmark liegt direkt neben Amalienborg, in einem prachtvollen Rokoko-Gebäude, das 1757 als erstes öffentliches Krankenhaus Dänemarks erbaut wurde. Heute zeigt es, was dänisches Design wirklich bedeutet. Finn Juhl, Arne Jacobsen, Verner Panton, Hans Wegner. Wer verstehen will, warum Skandinavien die Welt des Designs geprägt hat, findet hier die Antwort.
Eine halbe Stunde nördlich der Stadt in Humlebæk direkt am Øresund liegt das Louisiana Museum of Modern Art. Eine Villa, drei modernistische Pavillons, ein Skulpturenpark am Meer. Dazu ein Giacometti-Saal, ein Jorn-Raum und ein Infinity Room von Yayoi Kusama. Weltklasse Kunst, unschlagbare Kulisse. Einfach hinfahren.
Tipp 4 – Entdecke unbedingt Nørrebro und Vesterbro
In keiner anderen Stadt macht Shoppen so viel Sinn
Nørrebro braucht keine große Einführung. Time Out kürte das Viertel 2021 zum coolsten der Welt, und wer einmal über die Dronning Louises Bro die Seen überquert hat, versteht sofort warum. Die Energie hier ist eine andere.
Über 55 Nationalitäten teilen sich nur vier Quadratkilometer, Street Art an jeder Ecke, Bakeries, für die es sich lohnt früh aufzustehen, Naturweinbars und Läden, die du so nirgendwo sonst findest.

Der Sortedams Sø mit der Dronning-Louises-Brücke auf der linken Seite und Blick in die Nørrebrogade.
Res-Res steht für bewussten Konsum ohne auf Stil zu verzichten. Nudie Jeans, Veja, alles sorgfältig kuratiert und nachhaltig produziert. Wer seine Jeans reparieren lassen möchte, kann das direkt vor Ort tun.
Den Laden kennst du, bevor alle anderen ihn kennen. Premium Vintage, von Hand kuratiert, mit Blick auf Qualität statt Quantität. La BeniFrip ist klein, persönlich und hat ein echtes Gespür für das Besondere.

Siebzig Quadratmeter, die größer wirken als sie sind. Die Auswahl bei Grocery reflektiert das Viertel mit cooler Menswear, die lebendig und divers ist. Brands wie Our Legacy und mfpen treffen hier auf Hender Scheme und Story Mfg.
Die dänischen Designerinnen Sara Tolsing und Sofie Nørregaard haben ihre eigene Handschrift. Die Kleidung ist edgy, minimalistisch, fließend. Wer geschmackvolle, dänisches Womenswear-Design abseits der großen Namen sucht, findet es bei Fünf.
Vesterbro war lange ein anderes Pflaster. Das Rotlichtviertel, die Schlachthöfe, der Ruf. Das ist vorbei. Heute ist Kødbyen Kunst- und Kulturzentrum, die Istedgade eine der bekanntesten Einkaufsstraßen der Stadt, und wer hierherkommt, findet einen Ort der sich verändert hat ohne seinen Charakter zu verlieren. Roh genug um interessant zu bleiben.

Prag macht keine großen Worte. Vintage mit echter Auswahl, von Sequins bis Lederjacke, von 80er-Pullover bis zum perfekten Alltagsoutfit. Einer dieser Läden, in dem man reingeht ohne Plan und mit vollen Tüten rauskommt.
Tauschen statt kaufen, das ist die Idee hinter Det Kollektive Klædeskab. Mit einem Mitgliedsbeitrag bringst du Klamotten, die du nicht mehr trägst, und nimmst andere mit. Ein Konzept, das aufgeht, und eines der sympathischsten in der ganzen Stadt.
Wer Vinyl liebt, sollte Accord kennen. Seit den 1940ern das älteste Plattengeschäft Kopenhagens, mit über 50.000 Schallplatten. Soul, Jazz, dänische Klassiker, seltene Soundtracks. Hier kann man Stunden verbringen ohne es zu merken.
Seit 2001 kleidet Kyoto Vesterbro. Was als reiner Männerladen begann, hat sich mit dem Viertel verändert. Heute eine kuratierte Auswahl an Scandi-Brands wie Acne, Wood Wood und Norse Projects, für alle, die Minimalismus schätzen.

Tipp 5 – Besteige den CopenHill
Architektur und Après-Ski auf 85 Metern
Ein Müllkraftwerk, auf das man Ski fahren kann. Klingt absurd, funktioniert aber. CopenHill, auch bekannt als Amager Bakke, ist eine Müllverbrennungsanlage der neuesten Generation, auf deren Dach eine Skipiste, ein Wanderweg und eine Kletterwand thront. Entworfen von Bjarke Ingels, ist das Ergebnis eines der mutigsten Bauprojekte Europas.

Die Anlage verarbeitet 440.000 Tonnen Müll jährlich und verwandelt ihn in Energie für 150.000 Haushalte. Oben angekommen erwartet dich eine Rooftop-Bar mit Panoramablick über die Stadt und den Øresund, ein Crossfit-Bereich und der beste Ausblick der Stadt. Der Eintritt ist kostenlos, nur wer Ski fahren möchte, zahlt.
CopenHill
Tipp 6 – Besuche den Superkilen Park und Islands Brygge
So verbringen die Locals ihren freien Tag
Der Superkilen Park liegt im Herzen von Nørrebro und wurde 2012 von BIG, Topotek1 und der Künstlergruppe Superflex eröffnet. Der Park erstreckt sich über einen halben Kilometer und ist in drei Bereiche aufgeteilt, den Red Square, den Black Market und den Green Park.
Über 100 Objekte aus mehr als 60 Kulturen wurden hier zusammengetragen, ein marokkanischer Brunnen, Basketballkörbe aus Mogadischu, Trainingsgeräte von Muscle Beach in Kalifornien. Ein spannender Ort für Sport und Spiel.

Islands Brygge war einmal ein industrielles Hafengelände. Heute ist es einer der beliebtesten Treffpunkte der Stadt. Das Hafenbad liegt direkt am Wasser, mit fünf Pools und einem Sprungturm. Der Eintritt ist kostenlos. Im Sommer schwimmen hier Locals mit der Skyline der Stadt im Blick. Urlaubsfeeling mitten im Stadtleben.

Tipp 7 – Geh über die Cirkelbroen
Die coolste Abkürzung der Stadt
Cirkelbroen liegt dort, wo der Christianshavner Kanal in den Hafen mündet und verbindet seit 2015 Christiansbro mit Applebys Plads. Entworfen vom dänisch-isländischen Künstler Olafur Eliasson, war die maritime Geschichte des Viertels der visuelle Ausgangspunkt für das Design.

Ólafur Elíasson – Pressekonferenz der Internationalen Jury, Berlinale 2017.
Eliasson lebt und arbeitet in Kopenhagen und Berlin. 2003 zog er mit „The Weather Project“, einer riesigen künstlichen Sonne im Turbinensaal der Tate Modern, über zwei Millionen Besucher an. Seither sind seine Werke in den bedeutendsten Museen zu sehen.
Sein Kunstwerk Cirkelbroen (Circle Bridge) besteht aus fünf versetzten Kreisplattformen mit ihren Masten, inspiriert von Eliassons Kindheitserinnerungen an isländische Fischerboote. Ein Teil funktioniert als Drehbrücke, damit Boote passieren können. Nachts wirft die Brückenbeleuchtung Reflexe auf das Wasser, die sehenswert sind.

Cirkelbroen
Tipp 8 – Stöbere durch Kopenhagens schönste Flohmärkte
So geht Vintage in Kopenhagen
Kopenhagen und Flohmärkte, das ist eine Liebesgeschichte. Wer hier stöbert, findet keine Massenware, sondern Stücke mit Geschichte. Vintage-Deko, die man nirgendwo sonst bekommt, Kleidung die einfach passt, und das Gefühl, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Der Flohmarkt auf der Ravnsborggade in Nørrebro findet nur viermal im Jahr statt. Genau das macht ihn besonders. Anwohner und lokale Geschäfte stellen aus, umgeben von Vintage-Läden, Cafés und kleinen Boutiquen. Wer hier nichts findet, hat nicht richtig geschaut.
Det Grønne Loppemarked liegt auf der grünen Fahrradroute zwischen Jagtvej und Rantzausgade in Nørrebro. Über hundert Secondhand-Stände, Streetfood und Workshops, die man so auf keinem anderen Flohmarkt findet. Von Mai bis September, zweiwöchentlich, kann man hier zwischen Vintageschätzen und einem überaus alternativen Angebot stöbern.
Wer das ganze Jahr über stöbern möchte, ist beim Remisen richtig. Der Indoor-Flohmarkt öffnet jeden Samstag und Sonntag, der Eintritt kostet 10 DKK. Was dich erwartet, hängt vom jeweiligen Verkäufer ab. Genau das macht jeden Besuch zu einem guten Erlebnis.

Tipp 9 – Besuche Freetown Christiania
Eine bunte Stadt in der Stadt
1971 brachen Hippies die Barrikaden eines verlassenen Militärgeländes auf und schufen etwas, das es so kein zweites Mal gibt. Freetown Christiania, mitten in Kopenhagen, funktioniert bis heute nach eigenen Regeln, unabhängig vom dänischen Staat. Rund 850 Menschen leben hier, keine Autos, kein Privateigentum, kollektive Entscheidungen. Ein Experiment, das seit über 50 Jahren funktioniert.

Christiania ist der viertmeistbesuchte Ort in ganz Kopenhagen, und trotzdem fühlt es sich wie eine andere Welt an. Jedes Haus wurde von seinen ersten Bewohnern gebaut, bemalt und dekoriert, Street Art an jeder Ecke, Cafés, Musikclubs und Werkstätten. Die berühmten Christiania Bikes, Lastenfahrräder, werden hier bis heute produziert und in die ganze Welt exportiert.
Einfach hingehen und auf sich wirken lassen. Es ist frei zugänglich, kein Ticket, kein Guide nötig. Tagsüber kein Problem, alleine oder zu zweit. Keine Fotos auf der Pusher Street, das ist kein Witz.

Mit dem Fahrrad durch Christiania und hoch zur Erlöserkirche für den Panoramablick.
Freetown Chistiania
Tipp 10 – Iss authentisch dänisch im Restaurant Kronborg
Hausgemacht, old school und unschlagbar
Wer wissen will, wie Kopenhagen wirklich isst, geht in den Keller. Restaurant Kronborg liegt in einem kleinen Kellerlokal mitten in der Innenstadt. Der Laden ist voll mit Locals, was alles sagt was man wissen muss. Keine Touristenfallen, kein aufgesetztes Hygge. Nur ehrliches, dänisches Mittagessen.
Alle Gerichte sind 100% hausgemacht, old school und in einem einfachen, aber extrem leckeren Stil gehalten. Das Herzstück ist das Smørrebrød, das klassische dänische Butterbrot mit Belag, hier in seiner authentischsten Form. Hering, Roastbeef, Garnelen auf Roggenbrot, dazu ein Aquavit. Geöffnet Montag bis Samstag von 11 bis 17 Uhr. Tischreservierungen werden ausdrücklich empfohlen.
Restaurant Kronborg
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